Süddach oder Ost-West-Ausrichtung 2026: Welche Dachausrichtung für Ihre Solaranlage mehr bringt

Die Südausrichtung gilt als Königsweg der Photovoltaik. Doch Ost-West-Dächer holen beim Eigenverbrauch deutlich auf. Wir zeigen mit Zahlen, welche Ausrichtung sich 2026 für Ihr Dach und Ihren Stromverbrauch wirklich lohnt.
Einleitung
Wer eine Solaranlage plant, hört meist denselben Rat: Das Dach müsse nach Süden zeigen. Das stimmt – wenn es allein um den höchsten Jahresertrag geht. In der Praxis haben aber die wenigsten Häuser ein perfekt nach Süden ausgerichtetes Dach. Viel häufiger steht das Haus so, dass die Dachflächen nach Osten und Westen weisen. Die gute Nachricht: Das ist längst kein Ausschlusskriterium, sondern oft sogar die wirtschaftlich klügere Lösung.
Der Grund ist einfach: Beim Solarstrom zählt nicht nur, wie viel Sie produzieren, sondern wie viel davon Sie selbst verbrauchen. Und genau hier spielt eine Ost-West-Anlage ihre Stärke aus. In diesem Beitrag vergleichen wir beide Ausrichtungen Schritt für Schritt – mit konkreten Zahlen, einer Beispielrechnung in Franken und klaren Faustregeln, damit Sie für Ihr Dach die richtige Entscheidung treffen.
Warum Süden als Optimum gilt – und was das in Zahlen heisst
Eine nach Süden ausgerichtete Anlage fängt die Sonne dann ein, wenn sie am höchsten steht – rund um die Mittagszeit. Dadurch erreicht sie den höchsten Jahresertrag aller Ausrichtungen. Im Schweizer Mittelland liefert ein gut geplantes Süddach mit rund 30 Grad Neigung je nach Standort etwa 950 bis 1'050 Kilowattstunden pro installiertem Kilowatt-Peak (kWp) und Jahr. Eine typische 10-kWp-Anlage auf einem Einfamilienhaus produziert damit rund 10'000 Kilowattstunden Strom pro Jahr.
Dieser Spitzenwert hat aber einen Haken: Die Produktion ist stark auf die Mittagsstunden konzentriert. Genau dann sind viele Haushalte aber gar nicht zu Hause – die Waschmaschine läuft morgens, gekocht wird abends. Der Mittagsstrom wird deshalb zu einem grossen Teil ins Netz eingespeist, statt im Haus genutzt zu werden. Und für eingespeisten Strom erhalten Sie deutlich weniger, als Sie für zugekauften Strom bezahlen.
Ost-West: weniger Ertrag, aber mehr vom eigenen Strom
Eine Ost-West-Anlage verteilt die Module auf zwei Dachflächen: Die eine fängt die Morgensonne ein, die andere die Abendsonne. Über den Tag entsteht so eine breitere, flachere Produktionskurve mit zwei sanften Spitzen – morgens und abends – statt einer einzigen Mittagsspitze.
Beim reinen Jahresertrag kostet das Leistung: Eine Ost-West-Anlage liefert je nach Dachneigung rund 80 bis 90 Prozent dessen, was dasselbe Dach in Südausrichtung bringen würde. Bei einem steileren Satteldach mit 30 Grad sind es etwa 80 bis 85 Prozent, bei flacheren Dächern eher 85 bis 90 Prozent.
Dafür passt die Ost-West-Kurve viel besser zum Tagesablauf eines Haushalts. Morgens beim Frühstück und abends beim Kochen – also dann, wenn der Verbrauch am höchsten ist – liefert die Anlage spürbar Strom. Das erhöht den Eigenverbrauch: Während ein Süddach ohne Speicher typischerweise 25 bis 35 Prozent des erzeugten Stroms selbst nutzt, kommt eine Ost-West-Anlage auf rund 35 bis 45 Prozent. Mit einem Batteriespeicher verschiebt sich das Verhältnis bei beiden nach oben, der Vorsprung von Ost-West bleibt aber bestehen.
Die Beispielrechnung: 15 Prozent weniger Strom, aber nur 7 Prozent weniger Geld
Was heisst das in Franken? Rechnen wir ein typisches Einfamilienhaus mit einer 10-kWp-Anlage durch. Als Strompreis setzen wir den Schweizer Median für 2026 von rund 28 Rappen pro Kilowattstunde an (gemäss ElCom liegt er bei 27,7 Rappen). Für eingespeisten Strom nehmen wir vorsichtig rund 12 Rappen – ein realistischer Mittelwert; in der Stadt Zürich vergütet das ewz 2026 beispielsweise durchschnittlich 12,91 Rappen pro Kilowattstunde.
Süddach: Es produziert rund 10'000 Kilowattstunden und nutzt davon ohne Speicher etwa 30 Prozent selbst (3'000 kWh), der Rest (7'000 kWh) wird eingespeist. Das ergibt 3'000 × 28 Rappen plus 7'000 × 12 Rappen = rund 1'680 Franken Nutzen pro Jahr.
Ost-West-Dach: Auf demselben Dach produziert es rund 8'500 Kilowattstunden, nutzt davon aber etwa 40 Prozent selbst (3'400 kWh) und speist 5'100 kWh ein. Das ergibt 3'400 × 28 Rappen plus 5'100 × 12 Rappen = rund 1'560 Franken pro Jahr.
Das Ergebnis überrascht viele: Obwohl die Ost-West-Anlage 15 Prozent weniger Strom produziert, liegt ihr finanzieller Nutzen nur rund 7 Prozent tiefer. Der Grund ist der höhere Eigenverbrauch – jede selbst genutzte Kilowattstunde ist mehr als doppelt so viel wert wie eine eingespeiste. Je grösser die Lücke zwischen Strompreis und Einspeisevergütung, desto kleiner wird der Vorsprung des Süddachs.
Kommt ein Batteriespeicher dazu, steigt der Eigenverbrauch bei beiden Ausrichtungen deutlich – und damit der Wert der Anlage. Batteriespeicher sind in den letzten Jahren spürbar günstiger geworden; bei Runer Solar liegen die Preise aktuell zwischen CHF 2'000 und 2'500 pro 5 kWh schlüsselfertig installiert.
Wann sich Ost-West wirklich lohnt – und wann Süden
Unter dem Strich gilt: Haben Sie ein grosses, gut geneigtes Süddach zur freien Verfügung, holt es beim reinen Ertrag und meist auch beim Geld das Maximum heraus. Der Abstand zur Ost-West-Variante ist aber viel kleiner, als die Ertragsdifferenz vermuten lässt. In diesen Situationen ist Ost-West die bessere oder sogar überlegene Wahl:
Sie haben kein brauchbares Süddach. Nutzen Sie die Flächen, die vorhanden sind – ein gut belegtes Ost-West-Dach schlägt ein halbherzig genutztes Süddach jederzeit.
Ihr Dach bietet zwei Flächen. Ost und West zusammen fassen oft mehr Module als ein einzelnes Süddach. Mehr installierte Leistung gleicht die geringere Ertragsdichte teilweise wieder aus.
Sie verbrauchen viel Strom morgens und abends. Homeoffice, eine tagsüber laufende Wärmepumpe oder ein E-Auto, das abends lädt, passen ideal zur Ost-West-Kurve.
Sie möchten die Mittagsspitze glätten. Das ist dort relevant, wo der Netzanschluss die Einspeiseleistung begrenzt oder die Einspeisevergütung tief ist.
Umgekehrt spielt das Süddach seine Stärke aus, wenn Sie eine grosse Südfläche haben, auf maximalen Gesamtertrag zielen und den überschüssigen Strom mit einem grösseren Speicher in die Abendstunden verschieben.
Dachneigung, Praxis und drei einfache Faustregeln
Neben der Himmelsrichtung entscheidet auch die Dachneigung über den Ertrag – allerdings weniger stark, als viele denken. Das Optimum liegt bei rund 30 Grad, doch zwischen 20 und 45 Grad verändert sich der Jahresertrag nur geringfügig. Selbst ein flaches Dach lässt sich mit aufgeständerten Modulen sinnvoll belegen, häufig gerade in Ost-West-Aufständerung. Für die Praxis lassen sich die wichtigsten Punkte auf wenige Faustregeln eindampfen:
Jede Abweichung bis 45 Grad von Süden – also von Südost bis Südwest – kostet nur wenige Prozent Ertrag. Rund 95 Prozent bleiben erhalten.
Eine reine Ost-West-Anlage bringt rund 80 bis 90 Prozent des Süd-Ertrags, dafür 5 bis 10 Prozentpunkte mehr Eigenverbrauch.
Je mehr Strom Sie tagsüber selbst verbrauchen, desto eher lohnt sich Ost-West – mit Wärmepumpe, E-Auto oder Homeoffice erst recht.
Die Dachneigung ist zweitrangig: Zwischen 20 und 45 Grad ist der Unterschied im Jahresertrag kaum spürbar.
Fazit
Die Faustregel "nur Süden lohnt sich" ist überholt. Richtig ist: Süden bringt den höchsten Ertrag, Ost-West den höheren Eigenverbrauch – und weil selbst genutzter Strom deutlich mehr wert ist als eingespeister, liegen beide Varianten finanziell näher beieinander, als es auf den ersten Blick scheint. Entscheidend ist nicht die Himmelsrichtung allein, sondern das Zusammenspiel aus Dachform, Stromverbrauch und einem allfälligen Speicher.
Für die meisten Hauseigentümer heisst das: Warten Sie nicht auf das perfekte Süddach, sondern nutzen Sie das Dach, das Sie haben. In fast allen Fällen lohnt sich die Investition – die Ausrichtung bestimmt am Ende nur das Feintuning, nicht das Ob.
Welche Ausrichtung auf Ihrem Dach den besten Ertrag und Eigenverbrauch bringt, lässt sich erst mit einer konkreten Planung sagen – inklusive Verschattung, Dachneigung und Ihrem persönlichen Verbrauchsprofil. Runer Solar plant und realisiert Photovoltaikanlagen im Aargau und im Kanton Zürich und rechnet Ihnen beide Varianten transparent durch. Fordern Sie jetzt unverbindlich Ihre Offerte an.
Quellen
Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom – Strompreise 2026 (Median 27,7 Rappen pro Kilowattstunde)
ewz – Solar-Rückliefertarife ab 2026
EnergieSchweiz / Bundesamt für Energie BFE – Grundlagen zu Ertrag und Ausrichtung von Photovoltaikanlagen
Swissolar – Branchenzahlen und Planungshinweise Photovoltaik 2026
Fachportale zum Vergleich von Süd- und Ost-West-Ausrichtung (Ertrags- und Eigenverbrauchswerte)
Stand: 28. Oktober 2026

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