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Virtueller ZEV 2026: Wie Sie überschüssigen Solarstrom an den Nachbarn verkaufen – ohne Umbau

Autorenbild: Runer Solar
Runer Solar
25. Sept.
5 Min. Lesezeit

Solarstrom mit dem Nachbarn teilen, ohne eine einzige Leitung neu zu verlegen: Was der virtuelle ZEV 2026 kann – und wann er sich für Sie rechnet.




Einleitung


Ihre Solaranlage liefert im Sommer deutlich mehr Strom, als Sie im eigenen Haushalt je verbrauchen. Der Überschuss wandert für ein paar Rappen ins Netz. Und gleichzeitig kauft der Nachbar im Haus nebenan seinen Strom für rund das Dreifache beim Netzbetreiber ein. Das ist nicht nur ärgerlich, es ist auch verschenktes Geld – und genau hier setzt der virtuelle Zusammenschluss zum Eigenverbrauch an.

Seit dem 1. Januar 2025 erlaubt der Bund den sogenannten vZEV. Er schliesst eine Lücke, die der klassische ZEV nie abdecken konnte: Solarstrom über mehrere Gebäude hinweg teilen, ohne dafür eine gemeinsame Stromleitung zu bauen. Das klingt zunächst technisch, ist für Hauseigentümer aber vor allem eine neue Chance, mehr aus dem eigenen Solardach herauszuholen.

Lohnt sich das für Sie? Was dürfen Sie dem Nachbarn verrechnen, welche Regeln gelten 2026, und wo lauern versteckte Kosten? Dieser Ratgeber führt Sie Schritt für Schritt durch – mit klaren Faustregeln und einer nachrechenbaren Beispielrechnung.




Was ist ein virtueller ZEV – und was unterscheidet ihn vom klassischen ZEV?


Beim klassischen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) schliessen sich mehrere Parteien hinter einem gemeinsamen Netzanschlusspunkt zusammen, etwa alle Wohnungen eines Mehrfamilienhauses. Der Haken: Wollten Sie ein zweites, benachbartes Gebäude einbinden, mussten Sie bisher eine physische Leitung legen und die Messinfrastruktur umbauen. Das ist teuer und oft gar nicht bewilligungsfähig.

Der virtuelle ZEV dreht den Spiess um. Statt einer neuen Leitung übernimmt die Rechnung die Arbeit: Jeder Teilnehmer behält seinen bestehenden Smart Meter, und der Netzbetreiber teilt den Solarstrom rein rechnerisch zu, in Intervallen von 15 Minuten. Physisch fliesst der Strom weiterhin durchs öffentliche Netz. Verrechnet wird er aber so, als käme er direkt vom Nachbardach.

Für Sie heisst das: kein Bagger, keine neue Leitung, kein Umbau am Zählerkasten. Der vZEV ist damit vor allem für benachbarte Einfamilienhäuser, Doppelhäuser oder mehrere Gebäude derselben Eigentümerschaft interessant, die bisher aussen vor bleiben mussten.




Diese Voraussetzungen muss Ihr vZEV erfüllen


Ganz ohne Regeln geht es nicht. Drei Punkte entscheiden, ob ein vZEV überhaupt möglich ist:

  • Gleiche Netzebene: Alle Grundstücke müssen im Niederspannungsnetz unter 1 Kilovolt angeschlossen sein – vereinfacht gesagt hinter derselben Trafostation im Quartier.

  • Mindestleistung der Anlage: Die Produktionsleistung muss mindestens 10 Prozent der gesamten Anschlussleistung aller Teilnehmer betragen. Bei üblichen Wohnhäusern erfüllt das eine normale Dachanlage locker.

  • Smart Meter für alle: Jeder Teilnehmer braucht einen intelligenten Zähler. In vielen Gemeinden sind diese ohnehin schon verbaut oder werden bis Ende des Jahrzehnts flächendeckend eingebaut.

Organisatorisch bestimmen die Teilnehmer einen Ansprechpartner, meist den Anlagenbesitzer, der die interne Abrechnung übernimmt oder an einen Dienstleister auslagert. Die dafür nötigen, aufbereiteten Messdaten liefert der Netzbetreiber.




Was bringt ein vZEV finanziell? Die Beispielrechnung


Der wirtschaftliche Kern ist einfach: Jede Kilowattstunde, die Sie dem Nachbarn verkaufen, bringt mehr als die blosse Einspeisung ins Netz – und kostet den Nachbarn weniger als sein normaler Netzbezug. Beide gewinnen an der Differenz.

Zur Einordnung die aktuellen Zahlen: Für überschüssigen Solarstrom zahlen die Netzbetreiber 2026 typischerweise 5 bis 20 Rappen pro Kilowattstunde, im Schnitt rund 10 Rappen. Neu gilt eine gesetzliche Mindestvergütung – Anlagen bis 30 Kilowatt erhalten mindestens 6 Rappen. Netzstrom kostet in der Grundversorgung dagegen meist um die 30 Rappen. Zwischen diesen beiden Werten liegt Ihr Spielraum.

Nehmen wir eine 20-Kilowatt-Anlage, die rund 19'000 Kilowattstunden im Jahr liefert. Im eigenen Haushalt verbrauchen Sie davon etwa 30 Prozent direkt. Von den gut 13'000 Kilowattstunden Überschuss nimmt Ihnen der Nachbar 6'000 ab, zu einem fair gewählten vZEV-Tarif von 22 Rappen:

  • Ohne vZEV: 6'000 kWh mal 10 Rappen ergibt 600 Franken Einspeisevergütung.

  • Mit vZEV: 6'000 kWh mal 22 Rappen ergibt 1'320 Franken.

  • Ihr Mehrertrag: rund 720 Franken pro Jahr.

  • Der Nachbar zahlt 22 statt 30 Rappen und spart bei 6'000 Kilowattstunden rund 480 Franken.

Unter dem Strich holen beide Parteien zusammen über 1'000 Franken pro Jahr mehr aus demselben Solarstrom – Geld, das sonst in der Lücke zwischen Einspeisung und Netzbezug verloren geht. Die Zahlen sind Richtwerte; Ihr tatsächlicher Vorteil hängt vom Rückliefertarif Ihres Versorgers, der Anlagengrösse und dem Verbrauchsprofil der Nachbarn ab.




Kosten und Stolperfallen: Messtarife, Abrechnung, Verträge


Damit die Rechnung aufgeht, müssen Sie die Nebenkosten kennen. Seit dem 1. Januar 2026 weisen die Netzbetreiber die Messkosten separat als Messtarif aus – pro Smart Meter und pro virtuellem Zählpunkt. Diese Tarife werden jedes Jahr im August für das Folgejahr veröffentlicht. Je mehr Zählpunkte Ihr vZEV umfasst, desto stärker fallen sie ins Gewicht.

Dazu können Kosten für die interne Abrechnung kommen, wenn Sie einen externen Dienstleister beauftragen, sowie Gebühren für den Abruf der Messdaten aus dem Daten-Hub. Ein ehrlicher Ratschlag aus der Planungspraxis: Rechnen Sie bei kleinen vZEV mit einigen hundert Franken Verwaltungsaufwand pro Jahr. Bei nur zwei oder drei Teilnehmern kann das einen guten Teil des Mehrertrags aufzehren – hier lohnt sich vorab eine nüchterne Rechnung, statt sich von der Idee allein tragen zu lassen.

Folgende Punkte sollten Sie vor der Gründung schriftlich regeln:

  • Den internen Strompreis pro Kilowattstunde und wie er künftig angepasst wird.

  • Wer die Abrechnung führt und was dieser Aufwand jährlich kostet.

  • Wie mit Überschuss verfahren wird, den niemand in der Gemeinschaft braucht.

  • Ein- und Austrittsregeln, falls ein Gebäude verkauft wird oder ein Teilnehmer aussteigt.

  • Zuständigkeit und Haftung bei einem Anlagenausfall.




Für wen sich ein vZEV 2026 lohnt


Am meisten profitieren Eigentümer, deren Dach deutlich mehr produziert, als sie selbst verbrauchen, und die einen Abnehmer in unmittelbarer Nähe haben – etwa das zweite Haus auf demselben Grundstück, ein benachbartes Mietobjekt oder Verwandte im Quartier. Je höher der gemeinsam genutzte Anteil, desto besser die Rechnung.

Als Faustregel gilt: Ein vZEV lohnt sich, wenn Ihr Solardach regelmässig Überschuss produziert und mindestens ein Nachbar hinter derselben Trafostation nennenswert Strom bezieht. Und beim internen Preis fahren Sie am besten, wenn Sie ihn zwischen Rückliefervergütung und Netzbezugstarif ansetzen – dann gewinnen beide Seiten.

Wer noch grösser denkt, sollte die lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) im Auge behalten. Sie geht ab 2026 über das einzelne Grundstück hinaus und erlaubt, Solarstrom im ganzen Quartier zu teilen – mit einem Rabatt von bis zu 40 Prozent auf das Netznutzungsentgelt. Für die meisten Hauseigentümer bleibt der vZEV aber der schnellere und einfachere Einstieg.




Fazit


Der virtuelle ZEV ist eine der praktischsten Neuerungen der Schweizer Energiepolitik der letzten Jahre. Er macht aus überschüssigem Solarstrom, der bisher für wenige Rappen im Netz verschwand, einen fair verkaufbaren Wert – ohne Bagger, ohne neue Leitung, ohne Umbau am Zählerkasten.

Ob er sich für Sie rechnet, hängt an drei Fragen: Produziert Ihr Dach genug Überschuss? Gibt es einen Abnehmer in der Nachbarschaft? Und bleibt nach Abzug der Mess- und Verwaltungskosten ein sauberer Mehrertrag? Wenn Sie zweimal Ja sagen können, lohnt sich der genaue Blick – am besten mit einer konkreten Rechnung für Ihre Situation.


Ob klassischer ZEV, virtueller ZEV oder eine Solaranlage, die von Anfang an auf gemeinsamen Verbrauch ausgelegt ist: Wir planen Ihre Anlage so, dass Eigenverbrauch und Ertrag zusammenpassen, und rechnen Ihnen ehrlich vor, ob sich ein vZEV in Ihrer Situation wirklich lohnt. Fordern Sie jetzt Ihre unverbindliche Offerte an.






Quellen


  • Bundesamt für Energie (BFE): Eigenverbrauch, ZEV und virtueller ZEV

  • ElCom: Rückliefervergütung und gesetzliche Mindestvergütung 2026

  • Revidiertes Energiegesetz und Stromversorgungsverordnung (Mantelerlass)

  • Swissolar: Informationen zu Eigenverbrauchsgemeinschaften

  • Netzbetreiber-Informationen zu Messtarifen 2026 (z. B. EKZ, BKW)


Stand: 25. September 2026

 
 
 

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Kommentare


Bernadette von Felten

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